Mieses Schlussviertel kostet weitere Überraschung
Ein traumhaftes erstes Viertel, ein gutes zweites, ein toller Start in die zweite Hälfte – bis zur Minute 31 war der USC München das bessere Team in Zwickau, wo US-Boy Joe Chambers seine Zelte abgebrochen hat. Doch die Erfahrung, über die alle Zwickauer Spieler verfügen, setzte sich letztlich durch. Das Team von Spielertrainer Ryklin ließ in der Crunch Time Spritzigkeit und Aggressivität vermissen, konnte in der Defensive das hohe Level nicht halten und blieb offensiv am Ende fehleranfällig und einfallslos. Daher ist der 67:56-Erfolg der Zwickauer verdient, der Kampf um den Playoff-Platz für die Münchner leider wieder offener.
Die Sachsen müssen den Rest der Saison auf Joe Chambers verzichten, der nach Weihnachten nicht mehr nach Deutschland zurückkehren wird, und starteten daher mit Erben, Doody, Beginskis, Mayer und Balcerowski. Der USC musste Ismail vergeben, dafür waren erstmals in der Bundesliga Nachwuchstalent Florian Mach und Neuzugang Nu Nguyen mit dabei. Die Münchner begannen mit Ryklin, Döring, Magenheim, Wastian, Welin und mit einer ausgezeichneten Presse. Magenheim zog gleich im ersten Angriff ein Foul von Erben und konnte grandios abschließen. Nach dem Bonusfreiwurf und Ryklins Treffer stand es schnell 0:5, Zwickau hatte im Angriff große Probleme mit der fahrerischen Stärke der Bayern. Beginskis freien Dreier zum 7:9 beantwortete Welin mit einem erfolgreichen Dreipunktspiel nach einem schönen Postspielzug des USC. Ende des ersten Viertels traf dann Wastian zweimal von oben, sein Dreipunktspiel zum 12:21 war bereits das dritte erfolgreiche der Münchner.
Zwar verkürzte der tschechische Routinier Pohlmann viertelübergreifend auf 17:21, doch die starken Münchner konterten mit einem 8:0-Run und zogen noch deutlicher weg: 17:29. Beim Stand von 22:32 wechselten die Münchner – doch leider ging jetzt bis zur Pause offensiv gar nichts mehr, in der Defensive tauchten erste Lücken auf, die Erben mit seinem ersten Korb und Balcerowski nutzen konnten. Dem USC gelang zwar in dieser Phase fast vier Minuten lang kein Punkt, dennoch rollten Ryklin und Co. mit einem recht beruhigenden 26:32 in die Garderobe. Nach der Pause zunächst drei Situationen, die auch im ersten Viertel stattfinden hätten können: Zuerst scort Magenheim, dann wird Zwickau zum Turnover gezwungen, ehe Ryklin schon fast gemütlich einen 4:0-Fastbreak abschließen kann. Doch jetzt riss der Faden im Spiel der Münchner: Die körperliche Intensität ließ ein wenig nach, Zwickau stellte sich besser auf den Druck ein und spielte intelligenter zusammen. Das Angriffsspiel im Set-Play der Münchner funktionierte so gut wie gar nicht, magere vier Punkte waren die schale Ausbeute im Rest des dritten Spielabschnitts. In der Defensive standen die Spieler des USC nur mehr akzeptabel, Zwickau vergab einige Chancen und kam daher nur langsam heran. Insbesondere Erben, der in der ersten Hälfte überhaupt nicht in Szene gesetzt werden konnte, fuhr jetzt durch die eingeschläfert wirkende Münchner Abwehr wie durch Slalomstangen und verkürzte quasi im Alleingang von 30:38 auf 39:40, jenen Stand, den das Scoreboard auch nach drei Vierteln anzeigte.
Wastians 39:42 konterten Balcerowski und abermals Erben zur ersten Führung der Sachsen im gesamten Spiel (43:42, 32. Minute). Döring brachte den USC noch zweimal in Front, aber die Münchner brachten Erben in der Verteidigung nicht in Griff. Dieser brachte die Rollis wieder mit 47:46 in Front. Nach Turnover von Wastian stellte Doody auf 49:46, Ryklin wechselte. Doch die Münchner hatten in der Defense nichts entgegenzusetzen, Zwickau verwertete jeden Ballbesitz zu Punkten. Die Bayern kamen nur zu Freiwürfen und trafen in dieser heißen Phase nur vier von acht. Dazu kam der erste Korb von Neuzugang Nu Nguyen für den USC, doch die Führung für Zwickau wuchs stetig an, weil die Münchner die Zwickauer in der Defense nicht stoppen konnten. Eineinhalb Minuten vor Schluss war die Partie beim Stand von 60:52 fast entschieden, auch wenn Ryklin per Dreier noch auf 60:55 verkürzte. Vier äußerst fragwürdige Entscheidungen der Schiedsrichter innerhalb weniger Spielsekunden nahmen dem USC jetzt noch den letzten minimalen Hoffnungsschimmer, Zwickau brachte den hart erkämpften 67:56-Sieg mit recht souverän verwerteten Freiwürfen ins Trockene. Dem USC fiel auch in dieser Phase wie in den letzten 18 Minuten generell offensiv kaum etwas ein, lediglich 9 Assists gegenüber den 18 Assists Zwickaus waren letztlich ausschlaggebend für die erste Münchner Niederlage seit der fünften Runde.
Da Thüringen und Trier ihre Begegnungen gewannen, beträgt der Vorsprung des USC auf einen Nicht-Playoff-Platz nur mehr zwei Punkte. Da Frankfurt gegen Lahn-Dill allerdings verlor, besteht auch noch eine gute Chance auf Platz Drei. Die nächsten beiden Spiele zuhause gegen Trier und auswärts in Thüringen könnten hier schon eine kleine Vorentscheidung bringen, den Münchnern stehen also zwei ganz wichtige Wochen bevor.
RSC Rollis Zwickau – USC München 67:56 (26:32)
Erben 18, Beginskis 15, Balcerowski 12, Doody, Pohlmann je 9, Mayer 4, Müller bzw. Ryklin 18, Magenheim 13, Döring 11, Wastian 9, Welin 3, Nguyen 2, Haberkorn, Fischer, Mach, Schmölz

